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Joachim
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Der Dank für diesen Artikel geht an Frau Dr. Meyer von der Universität Tübingen. Von ihrer Webseite ( www.kyotomeishozue.de ) habe ich überhaupt erst von Tsujiwa Kanaami erfahren. Es wird dringend… [lesen]
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Prüfung zum ersten Dan: der Prüfungstag
Soviel zur Vorbereitung (Beitrag über Anmeldung und Vorbereitung)…
…und Gott, war ich nervös, als ich in der Halle auf meinen Einsatz wartete. Schätzungsweise gab es etwas mehr als 500 Prüflinge, die genauen Zahlen sind noch nicht veröffentlicht. Demenstprechend groß war die Zahl der Augen, die mich verwundert beobachteten, war ich doch scheinbar der einzige (offensichtliche) Ausländer in Kendo-Uniform.
Namenslisten mit Prüfungsnummer
Organisatorisch war alles leichter als gedacht. An einer Seite der Halle hingen Listen aus, sortiert nach gewünschten Dan, samt Name plus Prüfungsnummer. Dank dieser Nummer wusste man eigentlich immer, wo und wann man etwas machen musste. Mit der Prüfungsnummer im Kopf ging man zur Anmeldung und zeigte damit quasi, dass man anwesend war. Die Nummer musste man sich anschließend auf alle drei Tare-Flächen schreiben. Bei dieser Gelegenheit habe ich gleich gefragt, ob ich ein elektronisches Wörterbuch wegen Kanji verwenden durfte. Der ältere Herr sagte, dies wäre kein Problem. Aber nunja, es kam noch anders…
Nach der Anmeldung ging dann das große Aufwärmen los. Interessant hierbei war, dass jedes Mal, wenn eine Ansage durch die Lautsprecher kamen, alle inne hielten und sich sogar in den Seiza setzten. Da es nicht gerade wenige Ansagen gab und dabei meist nur kurze, konnte dies schnell lästig werden. Und etwas witzig, Japaner eben.
Es folgte dann die zeremonielle Eröffnung mit diversen Ansprachen, denen die Prüflinge brav in Reih und Glied, im Seiza sitzend, lauschten. Am Ende wurden dann noch ein paar Namen aufgerufen, bei denen organisatorisch etwas nicht stimmte. Als dann ganz zuletzt mein Name aufgerufen wurde, war ich etwas schockiert. Gleich darauf war dieser Teil beendet und ich wusste nicht, was nun Sache war. Plötzlich stand der ältere Herr neben mir, den ich wegen dem Wörterbuch gefragt habe und sagte mir, ich dürfe es doch nicht benutzen und soll stattdessen auf Englisch schreiben. Puh, ich wurde also nur aufgerufen, damit die wussten, wo ich unter all den Prüflingen sitze. Schließlich ging die Prüfung los.
Reihenfolge der einzelnen Prüfungsteile:
Praktischer Teil
Im praktischen Teil, komplett in Rüstung, gab es eigentlich keine Vorgaben. Im Prinzip lief das auf 30 Sekunden Wettkampf hinaus, bei dem man die Prüfer möglichst überzeugen sollte, dass man den gewünschten Dan verdient hat. Mit Rumstehen und Kontertechniken kommt man normal nicht durch. Da es beim ersten Dan hauptsächlich um Kikentai-Ichi (気剣体一致) ging, lief es oft auf ein schnelles Ai-Kakari-Geiko hinaus. Ich hatte sehr viele Men-Uchi erwartet, aber es gab auch überraschenderweise sehr oft Do-Uchi und natürlich auch Debana-Kote. Beim ersten Dan war das Niveau noch relativ niedrig, beim zweiten Dan stieg es dann aber sprunghaft an. Der Großteil der Prüflinge war noch sehr jung, die meisten noch in der High School. Dementsprechend gab es dann eine Gruppe für ältere Prüflinge, die insgesamt aus vier Leuten bestand, einer davon war ich.
Praktischer Teil (linke Hallenhälfte, rechts: Warten auf den Einsatz)
Der Erste war etwa Mitte 30 und mein erster Partner. Vor unserem Einsatz haben wir uns kurz unterhalten und er erzählte mir, dass er in seiner Kindheit zwei Jahre Kendo machte und jetzt seit einem Jahr wieder übte. Dafür war er aber extrem stark und ging auch ordentlich ran. Unser Aufeinandertreffen artete dann in konstanten Ai-Men-Uchi aus, bei denen ich wohl öfters den Kürzeren gezogen habe.
Überraschend fand ich die zweite Person, ein sehr alter Herr, der aber leider dann durch die Prüfung gefallen war. In dem Alter noch den ersten Dan machen wollen kommt nicht wirklich oft vor.
Die letzte Person war dann zwischen Mitte 40 und Mitte 50 und mein zweiter Partner. Nicht sonderlich stark und am Ende habe ich ihn nach einem Men-Uchi aus vollen Lauf zu Boden geschickt.
Nach dieser Phase habe ich mich bei meinen beiden Partnern bedankt und bei meinem zweiten Partner noch aus Anstand entschuldigt.
Schriftlicher Test
Da nun die Mädchen zum ersten Dan geprüft wurden und anschließend noch die Prüflinge zum zweiten und dritten Dan dran waren, folgte mich für mich eine Wartezeit von etwa zwei Stunden, bevor es zum schriftlichen Teil überging (Zeit genug um sicher zu gehen, ob man die Antworten wirklich auswendig kann). Während aber die Prüflinge zum zweiten Dan noch geprüft wurden, wurden schon die Ergebnisse für den ersten Dan ausgehängt. Damit wusste man dann, ob man noch warten muss oder ob man schon nach Hause gehen konnte.
Mit eigenen Bleistift und Radiergummi setzten sich die Prüflinge wieder in Reih und Glied, danach wurden Blätter ausgeteilt. Die zwei zu beantwortenden Fragen hingen noch verdeckt an Ständern und jeder wartete gespannt, welche Fragen er auswendig gelernt kurz auf Papier runterrattern musste. Mein Ziel war es, nicht als Letzter abzugeben – geschafft! Etwa 10 Kinder schrieben noch, als ich fertig war. Die Hälfte der Prüflinge war aber bereits fertig, da war ich noch nicht einmal bei der zweiten Frage.
Während die Prüfer dann die schriftlichen Tests auswerteten, ging es mit Nihon Kendo Kata weiter.
Nihon Kendo Kata
Die Paarungen waren bereits vor der schriftlichen Prüfung bekannt gegeben worden. Man konnte definitiv erkennen, dass in Japan Kata seltener gemacht wird, beim ersten Dan war die Leistung durchwachsen. Es gab viele Fehler, daher hat man oft gesehen, wie jemand die Hand gehoben hat, um die Form noch einmal machen zu dürfen. Speziell bei der dritten Form schien der Wurm drin gewesen zu sein. Mein Partner war vor Kata extrem nervös und fragte mich sogar ein paar Sachen zur ersten Form. Beim Vorzeigen lief aber alles wie geschmiert, leider fiel mein Kata-Partner aber bei der schriftlichen Prüfung durch.
Nihon Kendo Kata
Nach der Kata wurden die Ergebnisse für die schriftlichen Tests und Kata selber aufgehängt (was für ein Gedränge!) und dementsprechend konnte man (sehr häufig) riesige Freude in den Gesichtern lesen oder (selten) Deprimiertheit. Interessanterweise ist beim schriftlichen Test und Kata unter den zweiten und dritten Dans praktisch keiner durchgeflogen, beim ersten Dan aber relativ viele – etwa 15 Prüflinge.
Ende
Für die Abschlusskundgebungen mussten sich alle noch einmal brav in Reih und Glied setzen, bevor der Kindergarten dann die Schreibtische stürmte, wo nun die Bestätigungen ausgeteilt wurden. Das war plötzlich so ein Getrampel, dass sogar die Eltern auf den Tribünen laut loslachten. Hier musste ich feststellen, dass ich noch zusätzlich ganze 5100 Yen für die Eintragung des Dans zahlen darf! Aber nunja, dafür bekommt man eine sehr schöne Urkunde.
…ach ja: Bestanden!
Update 05.10.2011:
Inzwischen wurden auch die Zahlen veröffentlicht. Nicht ganz 500 Prüflinge, aber fast.
Interessant, dass beim 1. Dan mit Abstand am meisten durchgefallen sind, das hätte ich nicht erwartet.
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